Wie meine Leidenschaft für das Teppichweben begann

Mein erster Teppich

Während meines Studiums an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste gab es ein Semester, das ganz dem Thema Teppich gewidmet war. Wir Studenten hatten die Aufgabe Teppiche im Maßstab 1:10 zu entwerfen und sollten anschließend eine unserer Kreationen von Hand am Teppichwebstuhl realisieren.

Ich habe es von Anfang an geliebt!

Mir kam das kleine Entwurfsformat sehr entgegen und es ließ sich bestens mit meiner Vorliebe für das Arbeiten mit Collagen verbinden. Mein Professor bezeichnete mich damals nicht umsonst als die "Collagiererin".

Da ich bis auf den weißen Rand die gesamte Fläche meines Entwurfs knüpfen wollte, musste ich mich Tag für Tag an den Webstuhl stellen und mich geduldig Knoten für Knoten, Reihe um Reihe vorarbeiten.

Sie finden das klingt langweilig? Es hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen!

Warum? Unter meinen Händen entstand nach meinem ureigensten Entwurf das Werk. Kreativ zu sein und handwerklich etwas herzustellen liegt mir seit jeher im Blut, schon immer liebe sich Wolle und Garne. Selbst als Knirps knotete ich "Bändele" in der ganzen Wohnung fest.

Kreativ zu sein und handwerklich etwas herzustellen liegt mir seit jeher im Blut.

Mir gefiel der meditative Arbeitsrhythmus: am Gewebe entlang laufen, Knoten schlingen, Schussfaden einlegen, der dumpfe Ton, wenn die Lade ans Gewebe anschlägt, Wolle wickeln, die Fläche wachsen sehen, mit der flachen Hand über die geknüpfte Fläche streichen und das Material spüren, nichts zu denken oder meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, konzentriert die Entwurfspatrone im Blick halten, all die kleinen Hangriffe...

Und zu guter Letzt die Zufriedenheit und angenehme, körperliche Erschöpfung nach getaner Arbeit. Ja, und das hat sich bis heute nicht geändert.

Wenn ich am Teppichwebstuhl stehe, geht's mir richtig gut.